
Altes Foto: 1971
Neues Foto: Februar 2008
Location: 1010 Operngasse 7 (Ecke Friedrichstr./Karlsplatz)
Das Café Museum wurde 1899 von Adolf Loos gestaltet, zu Beginn der 1930er Jahre von Josef Zotti neu eingerichtet und 2003 originalgetreu rekonstruiert – oder besser gesagt: brav und bunt kaputtrevitalisiert. Aus dem jahrezehntelangen Treffpunkt von Künstlern und Intellektuellen ist seither ein Allerwelts-Kaffeehaus geworden.
Das alte Foto stammt aus der Zeit, als der Karlsplatz U-Bahn-Großbaustelle und der Wahlkampf für die Nationalratswahl 1971 im Gange war. Friedrich Peter, dessen SS-Angehörigkeit Mitte der 70er Jahre von Simon Wiesenthal publik gemacht werden sollte, war damals Spitzenkandidat und Klubobmann der FPÖ, die zu dieser Zeit die SPÖ-Minderheitsregierung unter Bruno Kreisky unterstützte. Kreisky verhalf im Gegenzug der damaligen 5%-Partei FPÖ durch eine Wahlrechtsreform bei der Wahl 1971 trotz gleichbleibender Stimmanteile zu Mandatsgewinnen.

Altes Foto: 1977
Neues Foto: Dezember 2007
Location: 1030 Höhe Jauresgasse, Blickrichtung Rennweg
Im Jahr 2003 ersetzte das multifunktionelle ZRS (Zentrum Rennweg S-Bahn) die schlichte und wenig ansehnliche alte Schnellbahnstation. Beim Bau des links davon befindlichen Renaissance Penta Hotels (1989) wurden Überreste der vormals hier bestehenden Equitation Ungargasse miteinbezogen.

Altes Foto: 1946
Neues Foto: Februar 2008
Location: 1010 Dr. Karl Renner-Ring 1Das Palais Epstein an der Bellaria hat wahrlich schon einiges erlebt und die verschiedensten Bewohner kommen und gehen gesehen. Es wurde von Theophil Hansen für den jüdischen Bankier Gustav Ritter von Epstein erbaut, der jedoch schon zwei Jahre später beim Börsenkrach von 1873 sein Vermögen verlor und das prunkvolle Palais veräußern musste. Bis zur Kommunalisierung der Wiener Gasversorgung im Jahr 1897 hatte daraufhin die Englische Gas-Gesellschaft hier ihren Sitz, dann wurde das Haus vom Verwaltungsgerichtshof erworben. 1922 folgte der Wiener Stadtschulrat, ehe die Nazis ab 1938 das Gebäude als Bauamt nutzten. Während der Besatzungszeit residierte die sowjetische Zentralkommandatur im Palais Epstein. Aus dieser Zeit stammt die alte Aufnahme mit den Bildern von Lenin und Stalin an der Fassade zur Ringstraße.
Danach diente das Palais kurz als Dependance der Akademie für Musik und Darstellende Kunst, ehe 1958 erneut der Stadtschulrat einzog und bis 2000 hier beheimatet war. Die anschließenden Diskussionen über eine Umwidmung in ein „Haus der Geschichte“ führten zu keinem Ergebnis, und so wurde das Palais Epstein am Nationalfeiertag 2005 an das benachbarte Parlament (im übrigen ebenfalls ein Bau von Theophil Hansen) übergeben. Heute sind parlamentarische Klubs, Veranstaltungs- und Ausstellungsräume sowie die Demokratiewerkstatt für Kinder und Jugendliche hier untergebracht.
Trotz allem: Das Palais Epstein gilt als das letzte weitgehend unverändert erhaltene Ringstraßenpalais.
Altes Foto: 1930er Jahre
Neues Foto: April 2008
Location: 1010 Franziskanerplatz
Der Franziskanerplatz ist einer der „jüngsten“ Plätze der Wiener Innenstadt und entstand 1624 aus eher profanen Gründen. Die herrschaftlichen Kutschen konnten nach der Zufahrt zur 1611 fertiggestellten Franziskanerkirche auf dem beengten Raum weder abbiegen noch wenden und so entschloss man sich, das Eckhaus zur Weihburggasse abzutragen. Die hier im Hintergrund zu sehenden Gebäude entstanden in den Folgejahrzehnten, der Mosesbrunnen von Johann Martin Fischer in der Platzmitte wurde erst 1798 hinzugefügt.
Das 1970 von Hermann Czech entworfene und vom Schauspieler Hanno Pöschl betriebene Kleine Café im Haus rechts war in den 1970er Jahren eines der allerersten Wiener Szenelokale und ist als solches selbst schon ein geschichtsreicher und architektonisch bedeutender Raum.

Altes Foto: um 1900
Neues Foto: Feb 2008
Location: 1150 Felberstraße, von der Schmelzbrücke gesehen
Die Entwicklung dieses Gebiets ist untrennbar mit dem Bau der Westbahntrasse und der Eröffnung des Westbahnhofs im Jahr 1852 verbunden. Der gesamte, Neu-Fünfhaus genannte Stadtteil zwischen Felberstraße und Hütteldorfer Straße entstand erst während bzw. nach Fertigstellung der Westbahn, war dann aber vom Gürtel ausgehend sehr rasch dicht verbaut. Zuvor bestand das Gelände hinauf zur Schmelz nur aus Äckern und Wiesen. Auch die seit etwa 1864 so genannte Felberstraße trägt einen Flurnamen: Ein Felberstrauch ist ein veralteter Ausdruck für einen Weidenbaum, von dem es hier wohl zahlreiche gab.
Die Schmelzbrücke, von der beide Aufnahmen gemacht wurden, muss etwa um 1872 über die Westbahn gebaut worden sein, im 2. Weltkrieg wurde sie zerstört. Die 1952 errichtete neue Brücke bildet weiterhin ein Nadelöhr zwischen den durch die Westbahn getrennten zwei Teilen des 15. Bezirks.